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Private Homepage „Charity Watch“ verunsichert Millionen Spender
Autor:
Heinz-Jürgen Spors (Journalist)

 

 

Private Homepage „Charity Watch“ verunsichert Millionen Spender

Offenburg – 15 Jahre lang arbeitete der Rosenheimer Stefan Loipfinger als freier Wirtschaftsjournalist, fühlte sich auf seinem Spezialgebiet „Geschlossene Fonds“ als Deutschlands „Fondpapst“. Die analytischen Fond-Beurteilungen des gelernten Bankkaufmanns waren gefürchtet, oft auch umstritten. Anfang 2008 wechselte er die Fronten, startete als „Spenden-Analyst“ eine zweite Karriere. Ehrenamtlich – wie der 42-jährige Gründer des privaten Online-Portals „Charity Watch“ versichert. 15 Jahre Wirtschaftsjournalismus waren genug, er hatte keine Lust mehr, wollte einfach mal etwas anderes machen. So begründete er seinen Szenenwechsel in einem Gespräch, das der Autor mit Stefan Loipfinger geführt hat.

Und wieder sorgt er für Unruhe, prangert auf seiner Spenden-Homepage neben einigen „Schwarzen Schafen“, deren Methoden längst Schlagzeilen in den Boulevardmedien waren, fast 100 Spenden-organisationen öffentlich an.

Ehrenamtlich arbeiten er und seine Schwester für „Charity Watch“. Kosten werden nach Angaben von Stefan Loipfinger aus seiner Privatschatulle bezahlt. Doch jetzt will er mit seiner Geschäftsidee auch Geld verdienen. Institutionen, Vereine und Unternehmen, die Spendenbereitschaft signalisieren will er nach eigenen Angaben nicht gegen Honorar beraten. Mit Medienbeiträgen und dem Schreiben von Büchern will er sein Geld verdienen. Er hat bereits ein Buch im so genannten Selbstverlag geschrieben, das sich mit seinen Erfahrungen der letzten 15 Jahre als Fondspezialist beschäftigt. Die Frage nach der verkauften Auflage wollte er nicht beantworten. Zur Einschätzung des wirtschaftlichen Ertrages solcher Buchproduktionen sagt Sven Nommensen, Journalist und ehemaliger Pressesprecher des Selbstverlages Books on Demand (BoD, Tochterfirma von Libri): „Die maximalen Verkaufsauflagen liegen bei rund 1000, 2000 Exemplare. Selten sind es mehr. Natürlich gibt es auch Ausnahmen.“

So soll die Geschäftsidee funktionieren: Stefan Loipfinger – federführend Loipfingers ehrenamtliche Schwester – fordern Spendenorganisationen via Mail auf, Charity Watch interne Daten zu senden. Da erhielt zum Beispiel die Organisation „Weltweite Kinderhilfe e.V.“ Post von Karin Loipfinger. Auszug: „Anforderung Jahresbericht. …könnten Sie mir den letzten verfügbaren Jahresbericht inklusive Finanzzahlen zukommen lassen (gerne auch als pdf)?“

Zu diesem Vorgang stellt Günter Will, Vorsitzender von „Weltweite Kinderhilfe e.V.“ fest:
Es ist nicht einsichtig, dass wir – noch dazu ohne entsprechenden Datenschutz per E-Mail – unsere Bilanzen als pdf-Datei einer uns unbekannten Stelle oder Person zuleiten. Deshalb haben wir Herrn Loipfinger mitgeteilt, dass wir um Verständnis bitten, wenn wir unsere Bilanzen nur staatlichen Behörden (z.B. Finanzamt) und Einrichtungen unter öffentlicher Aufsicht (z.B. DZI) zur Verfügung stellen.“

Dennoch stellte „Charity Watch“ wenig später die Kinderhilfe auf die Warnliste: „Vor Spenden und Zuwendungen an diese Organisation wird gewarnt“. Günter Will: „Durch das Verhalten von Herrn Loipfinger sind wir enttäuscht und fühlen uns zu Unrecht an den Pranger gestellt. Wir unterstützen seit 40 Jahren konkrete Projekte im In- und Ausland (hier insbesondere in Indien und Afrika) unmittelbar und direkt. Dies gewährleistet, dass jeder Betrag dem ausgewählten und geprüften Zweck zugute kommt . Dadurch wird verhindert, dass die kostbaren Euro der Spender in zwiespältige Kanäle vor Ort versickern. Auch bei unseren Kinderfamilienhäusern in Deutschland gewährleisten unsere Erzieherinnen und Erzieher durch ihre liebevolle Arbeit, dass benachteiligte Kinder doch noch eine Schul- und Berufsausbildung erhalten und somit den Schritt in ein selbständiges Leben schaffen“.

Auf die Frage an Stefan Loipfinger, warum er Organisationen, die ihm Bilanzen verweigern, auf den Index setzt, verkündet er immer wieder, dass diese angesprochenen Organisationen das Geld der Spender nicht verdient haben. Dass die Spendenorganisationen nur dem Finanzamt verpflichtet sind oder – wenn sie Mitglied sind – dem Deutschen Spendenrat, ignoriert „Charity Watch“ völlig. Die Bloßstellung der Organisationen ist Programm. Dass diese Vorgehensweise zur Verunsicherung vieler Spender führt, wird von „Charity Watch“ offenbar hingenommen.

Ob das „Deutsche Spendenparlament“, das von Kanzlerin Dr. Angela Merkel gelobt wird, "... weil das Engagement des 'Kompetenzgremiums für gute Taten' zur Unterstützung zahlreicher gemeinnütziger Projekte sehr begrüßenswert ist“, oder die „Sir Peter Ustinow Stiftung“, der Loipfinger„ nachlässige Prüfung der Mittelvergabe“ vorwirft. Auch „Ein Herz für Kinder“ (BILD), die „Kati Witt Stiftung“ und auch das von Dr. jur. Gabriele Inaara Begum Aga Khan und ihrer Mutter Renate Thyssen-Henne gegründete „SOS Project für Tier und Mensch e.V.„ oder der „Bundesverband Tierschutz e.V.“ stehen auf der „Schwarzen Liste“ des Rosenheimers.

Superstar George Clooney bei BILD online über „Ein Herz für Kinder“: „Ich habe großen Respekt vor Axel Springer und seiner Vision. Er gründete vor 30 Jahren mit der Bild-Zeitung die Hilfsaktion, die heute Bedeutung in aller Welt hat. Wir haben nichts Wichtigeres als unsere Kinder. Ich möchte dazu beitragen, dass wir das alle nie vergessen."

Jutta Siebers, Geschäftsführerin vom Bundesverband Tierschutz, auf Anfrage des Autors: „Wir arbeiten seit nunmehr 50 Jahren seriös für den Schutz der Tiere, mit eigenen Tierheimen und Gnaden-brotpferden, die finanziert werden müssen. Hinweisen möchten wir auch darauf, dass der BVT mit großem Engagement und großer Ernsthaftigkeit, insbesondere durch unsere Präsidentin, Frau Prof. Dr. Astrid Funke, in den für den Tierschutz maßgeblichen Gremien, z. B. Tierschutzkommission beim Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, ehrenamtlich, erfolgreich den Tierschutz vertritt. Die durch Herrn Loipfinger an den BVT gerichteten Fragen lösten, um es vorsichtig auszudrücken, eine gewisse Verwunderung aus. Die Übermittlung der ordnungsgemäßen Buchhaltung inkl. der Nachweise über die Ausgaben für Tierschutzzwecke findet regelmäßig mit dem Deutschen Spendenrat und dem zuständigen Finanzamt statt.“

Viele Prominente unterstützen viele Hilfsorganisationen, weil durch ihre Präsenz und ihr Engagement die Glaubwürdigkeit der Hilfsaktionen verstärkt wird. So auch zum Beispiel bei „SOS Project für Tier und Mensch e.V.“: „Wir freuen uns immer wieder, wenn wir bei den beliebten Stars und Prominenten an die Tür klopfen dürfen und sie bitten, die Projekte aktiv zu unterstützen. Und sie zögern keinen Augenblick, wenn es um die ‚Gute Sache’ geht. Einige von ihnen, wie die beliebte Schauspielerin Grit Boettcher, Moderator und Show-Master Kai Pflaume oder Schlagerstar Patrick Lindner haben einen der armen Hunde vom Sonnenhof bei sich aufgenommen und ihnen ein liebevolles Zuhause geschenkt. Ob Fernsehstar Carolin Reiber, Rockstar Peter Maffay, Volksmusikstar Hansi Hinterseer oder Michael Aufhauser – Tierschützer und Gründer des bekannten ‚Gut Aiderbichl’ – sie und viele andere sind unsere prominenten Helfer, Begleiter und liebe Unterstützer.“

Die Einbindung von Prominenten sieht Stefan Loipfinger, nach eigenen Angaben völlig anders. Er mutmaßt, dass ein Prominenter, der sich nach „Charity Watch“-Bewertungskriterien unseriösen Organisationen zur Verfügung stellt, einen großen Fehler macht. Er ist überzeugt, dass jemand, der etwas Gutes tut, noch kein guter Mensch ist. Nach eigenem Bekunden würde die Mafia auch Gutes tun. Ob sie von daher eine gute Organisation ist, stellt er in Frage. Für ihn sind Prominente, wenn sie sich für „unseriöse Organisationen“ einsetzen, auch Mittäter. Und so wirft er zum Beispiel dem bekannten Schauspieler Michael Lesch Unseriosität vor, weil der sich nach Loifingers Auffassung nicht ausreichend über die Arbeitsweise der Hilfsorganisation informiert hat. Dass Michael Lesch schon seit Jahren für die „Deutsche Lebensbrücke e.V.“ – wurde von Loipfinger auf die Warnliste gesetzt – als Botschafter krebskranke Kinder in St. Petersburg betreut, leugnet er offenbar.

Dies zeigt wohl mehr als deutlich auf, wie überheblich und uninformiert Loipfinger selbst konstruierte Tatsachenbehauptungen in die Welt stellt, wie er für sich in Anspruch nimmt, über Menschen zu richten, deren ehrliches Anliegen es ist, anderen Menschen zu helfen. Zu Michael Lesch berichtet die „Deutsche Lebensbrücke e.V.“: „Bereits seit 2003 ist Schauspieler Michael Lesch Botschafter unseres Leukämiekinder-Projektes. Lesch hat selbst eine schwere Krebserkrankung durchlitten. Er kennt deshalb die Qualen, die die kleinen Patienten durchleben müssen. Auf seinen Reisen nach St. Petersburg versucht er den Kindern und ihren Eltern Mut zu machen. Jedes Jahr organisiert Michael Lesch zahlreiche Charity-Golfturniere, die es uns ermöglichen, den kranken Kindern im Krankenhaus Nr. 1 weiterhin zu helfen.“

Präsident der Deutschen Lebensbrücke e.V., die 1989 als private Hilfsorganisation gegründet wurde, ist Prinz Julius Eduard von Anhalt, Herzog zu Sachsen, Chef des Hauses Askanien. Er sagt: „Viele Zeitungen, Radio – und Fernsehsender haben bis heute die Arbeit der Deutschen Lebensbrücke e.V. von Anfang an unterstützt. Ohne sie und die engagierten prominenten Protagonisten wären Spendenaufrufe zu wichtigen humanitären Projekten sicher weniger erfolgreich gewesen. Dank für diese großartige Unterstützung!“ Der Cousin von Prinz Charles wurde Anfang der 70er Jahre bekannt als Adelsexperte, Gesellschaftsjournalist und Kolumnist für Print- und TV-Magazine. Magazine. Er bekam eigene Sendungen bei RTL (Das blaue Telefon und Adel verpflichtet), moderierte verschiedene Livesendungen beim WDR, BR, SWF und SFB.

Den Journalisten Eduard von Anhalt mag Stefan Loipfinger indes nicht als Kollegen akzeptieren. Wie er in einem Gespräch mit dem Autor meinte, wäre ein Kollege nur einer, der seriös arbeitet. Grund für Loipfingers fragwürdige Ansichten: Die Lebensbrücke steht wie erwähnt bei „Charity Watch“ auf der Warnliste. Also verurteilt der Charity-Watch-Erfinder „mal eben“ einen Ehrenmann, der weltweit Anerkennung findet.

Auch der Vorsitzender des Vereins „Hilfe Weltweit e.V.“, Prof. Dr. inles theol. Dr. phil. Thomas Schirrmacher, passt nicht in das Raster von „Charity Watch“. „Ein verantwortlicher Mitarbeiter der Evangelischen Allianz, die weltweit Millionen Menschen vertritt, sollte mit der Öffentlichkeit immer vorbildhaft und was seine gemeinnützigen Tätigkeiten betrifft stets transparent umgehen“ steht es unter anderem auf der Warnlisten-Seite. Prof. Schirrmacher ist Sprecher für Menschenrechte der Weltweiten Evangelischen Allianz, die rund 400 Millionen evangelische Christen vertritt. Außerdem ist er Direktor von deren 2006 gegründeten Internationalen Instituts für Religionsfreiheit (Bonn, Kapstadt, Colombo). Seine Kritik an „Charity Watch“:

„Der Journalist Stefan Loipfinger hat auf seiner privaten Webseite Charity Watch meine Person als Vorsitzender des Vereins Hilfe Weltweit e. V. (Köln) übel angegriffen und mir ‚zweifelhaftes Verhalten’ und Verstoß gegen die Moral vorgeworfen. Er beschwert sich, wir hätten ihm keine Unterlagen zugesandt. Warum auch? Er hat keinerlei offizielle Funktion und keinerlei Ausbildung um Expertisen, Jahresabschlüsse oder Hilfswerke zu bewerten.“

Der Vielspender und engagierte Tierschützer Udo Lorenz aus Hamburg, sieht durch die Warnlisten in der Homepage „Charity Watch“ die große Gefahr sieht, dass spendenwillige Menschen abgehalten werden, zu spenden. Lorenz: „Nichts gegen Loipfingers selbst gestecktes Ziel, kriminelle Spendensünder zu jagen und sie zu entlarven – aber oft fadenscheinige Begründungen als Anlass zu nehmen, bis dato seriöse Vereine zu diskriminieren, ist unverantwortlich. Es ist doch unumstritten, dass wir alle, Spender, Mitfühlende und kritische Bürger unseres Landes wollen, dass die so wichtige Hilfe punktuell, also zielgenau, bei den Opfern ankommt. Aber leider: Nur solche, die nach Loipfingers Nase tanzen, sollen die Guten sein, werden auf der Homepage empfohlen.“

Dazu ist auf Loipfingers Homepage folgende Alibi-Erklärung zu lesen: „Kritik an einzelnen Organisationen ist nie als Schmähung der gemeinnützigen oder mildtätigen Absichten zu verstehen.“ Unter der Rubrik „Disclaimer“ auf Loipfingers Seite ist dann noch zu lesen: … Trotz Überprüfung der zugrunde liegenden Quellen wird keine Gewährleistung für deren Inhalt übernommen. Jegliche Haftung für aus der Berichterstattung entstandene Schäden ist ausgeschlossen…

Dass Stefan Loipfingers auch mit üblen Drohbriefen konfrontiert wird, war in einer anonymen Rund-Mail zu lesen, die an etwa 100 Empfänger gesendet wurde. Dort hieß es unter anderem: „Wir gönnen dir deine Karriere. Wir wünschen sie dir sogar. Aber nicht auf dem Rücken anderer. Du benutzt andere Menschen als Stufen um die eigene Karriereleiter zu erklettern. Da machen wir dir einen Strich durch die Rechnung! Wir wollen dass du Deine Schmähkritik aus dem Internet löscht. Öffne z.B. ein Forum, in dem du große Konzerne und Lebensmittelketten nennst, die Tiere quälerisch halten. Damit tust du sogar endlich mal was Gutes, statt Leute dazu zu bringen, nicht mehr zu spenden…“

Es wurden Anzeigen erstattet, die Ermittlungen jedoch eingestellt. Nach Auffassung der Betroffenen kam die anonyme Mail von einer kritisierten Tierschutz-Organisation. Dieses unsaubere und böse Machwerk blieb ohne Folgen. Und das ist gut so.

Weniger gut ist es, dass sich Stefan Loipfinger und „Charity Watch“ offenbar nicht auf das Wesentliche konzentrieren: auf journalistische, sachliche, kompetente und verantwortungsvolle Recherche und Berichterstattung. Mit Mutmaßungen, Verdächtigungen und Unterstellungen wird das „Geschäftsmodell Charity Watch“ den Bach runter gehen. Das sagt der Autor dieses Beitrages, der offiziell ein aktuelles Gespräch mit Loipfinger führte.

Nach vereinbarter Übersendung von Fragen und Antworten an Herrn Loipfinger, wurde es dem Autor ausdrücklich verboten, Zitate aus dem Interview zu verwenden.

SDW Meinung: Vielen Dank Herr Spors. Mutig das sie als "Journalistenkollege" auch die andere Seite der "Medaille" beleuchten.

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